22. Dezember

Einsiedlers Heiliger Abend

Joachim Ringelnatz

Ich hab’ in den Weihnachtstagen –
Ich weiß auch, warum –
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abend noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsenuppe mit Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat’s an die Türe gepocht.

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: »Herein!«

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

20. Dezember

Weihnachten ist zum Greifen nah – und deshalb wird es Zeit für ein kleines Geschenk von mir für euch:

Mein meisterhaftes, viel gerühmtes und bislang ungeschlagenes Waffelrezept.

Es ist schnell gemacht, zum Einfrieren geeignet und schmeckt das ganze Jahr nach Liebe.

Zutaten:
  • 2 EL Zucker
  • 50g zimmerwarme Butter
  • 1 verquirltes Ei
  • 1 Pck. Vanillezucker
  • 1 Fläschen Rumaroma
  • 100g Mehl
  • 100ml Milch
  • 1 Msp. Backpulver
  • Zimt oder Mixed Spices – nach Geschmack
Anleitung:
  • Das verquirlte Ei mit Zucker und Butter glatt verrühren, bis eine schaumige Masse entsteht.
  • Vanillezucker und Rumaroma unterrühren.
  • Mehl und Backpulver hinzufügen und gut vermengen. Der Teig wird jetzt etwas klebrig.
  • Nach und nach die Milch unterrühren, bis eine glatte, weiche Konsistenz entsteht.
  • Zimt oder Mixed Spices unterheben.
  • Den Teig portionsweise im heißen Waffeleisen goldbraun backen und am besten sofort heiß servieren.

Zum Schluss nur noch Puderzucker, Obst, Schoko- oder Karamellsauce – und fertig ist ehrliches Soul Food, das alle an den Tisch zieht.

18. Dezember

Keine Lust auf Debatten unter dem Christbaum? Ich liefere euch Fun Facts zum Fest der Liebe, die ihr als Ablenkungsmanöver nutzen könnt, wenn Tante Agathe und Opa Helmut einen sitzen haben.


Früher hängte man an den Weihnachtsbaum nicht Glasschmuck und Lichterketten, sondern Äpfel, Nüsse und Süßigkeiten, die nach Heiligabend geplündert wurden. Die erste dokumentierte Glaskugel stammte aus Lauscha, weil ein armer Glasbläser sich keine Äpfel zum Schmücken leisten konnte. Welch Ironie! Irgendwann kamen auch Wachskerzen dazu, die heutzutage meist durch die elektrische Lichterketten ersetzt wurden. Trotzdem gehen immer noch jedes Jahr knapp 15.000 deutsche Weihnachtsbäume in Flammen auf und halten unsere Feuerwehren auf Trab.

Der Baum am Trafalgar Square in London kommt übrigens jedes Jahr extra aus Norwegen. Der lange Weg ist kurz erklärt: Auf diese Weise bedanken sich die Norweger jedes Jahr bei den Briten für die Unterstützung im Zweiten Weltkrieg.

Rentiere können UV-Licht sehen, um Flechten besser im Schnee finden zu können. Außerdem lebt der Weihnachtsmann von Frauenpower: Die männlichen Rentiere werfen ihre Geweihe bereits nach der Brunft vor Weihnachten ab, die Weibchen behalten ihres bis ins Frühjahr. Schonmal ein Bild vom Rentierschlitten gesehen? Die haben alle an Weihnachten ihr Geweih auf dem Kopf.

Rudolph ist also nicht echt, aber woher kommt seine Geschichte? Eigentlich ist er nur ein süßer Influencer. 1939 wurde er von dem Werbetexter Robert L. May erfunden, um ein Malbuch vom Kaufhaus Montgomery Ward besser zu verkaufen.

„Xmas“ ist keine trendige Abkürzung für „Christmas“ und es soll auch nicht „Crossmas“ bedeuten. Nicht mal mit dem Kreuz Christi hat es was zu tun. Das X steht für das griechische „Chi“, dem ersten Buchstaben von „Christus“. Es ist also eine traditionellere Schreibweise als man denkt.

16. Dezember

Bei uns in Deutschland sieht der Weihnachtsbrauch oft so aus:
Erst gemeinsam in die Christmesse, danach Würstchen mit Kartoffelsalat – und während die Kinder schon vor der Tür des Christkinds scharren, müssen sie „erst noch fertig essen“.
Dann endlich klingelt’s, die Kleinen zerreißen begeistert ihre Geschenke und die Erwachsenen freuen sich über ihre alljährlichen Socken.
Die nächsten zwei Tage bestehen traditionell aus Familienbesuchen, Essen – und verzweifelter Batteriesuche.

Aber wie ist das eigentlich in anderen Ländern? Lasst euch von mir zu einer weihnachtlichen Weltreise entführen:


In Schweden beginnt man am 13. Dezember mit dem Lucia-Fest, bei dem Mädchen weiße Kleider und Kerzenkränze tragen. In den darauffolgenden Nächten machen sich die Tomare – kleine Wichtel – nachts nützlich oder spielen kleine Streiche. Am Julfest, dem 24. Dezember, stellt man den Tomaren einen süßen Brei vor die Tür, bevor die ganze Familie in die Sauna geht. Danach wird lecker gegessen, gesungen und um den Weihnachtsbaum getanzt, bis dann – endlich – die Kinder die Geschenke vom Jultomte öffnen dürfen.


Ab dem 12. Dezember besucht jeden Tag bis zum 24. einer der dreizehn Jólasveinar (Weihnachtstrolle) heimlich die Menschen in Island, spielt Streiche und hinterlässt kleine Geschenke in den Stiefeln. Aber es geht auch die Weihnachtskatze um: Die ist weniger nett und frisst alle Menschen auf, die nicht die gesamte Wolle der letzten Schafschur versponnen haben. Ein Motivationssystem der… besonderen Art.


Besonders toll für die Tiere ist der Heiligabend in Norwegen. Dort bekommen nicht nur die menschlichen Familienmitglieder ein Festessen am Julebord, sondern auch jedes Haustier und sogar den Wildtieren wird draußen Hafer geschenkt. Das Julebord ist ein sehr üppiges Weihnachtsbuffet, das nicht nur sämtlichen Haushaltsmitglieder regelrecht mästet, sondern auch die Verstorbenen miteinbezieht, weshalb immer ein zusätzliches Gedeck am Tisch steht. Nach dem Essen und dem Reigen um den Weihnachtsbaum werden die Geschenke vom Julenissen, dem Weihnachtskobold, ausgepackt. Besen findet man in dieser Zeit nur sehr schwer, weil man durch das Verstecken der Haupttransportmittel verhindern will, dass Hexen zum Stehlen kommen.


Am 16. Dezember fangen in Mexiko die Weihnachtsfeiern mit den Posadas an. Die Posados folgen einem festen Ritual, das sich jeden Tag wiederholt: Die Figuren von Jesus, Maria und einem Engel, die sogenannten Peregrinos werden durch das Dorf getragen und dürfen in jeder der neun Nächte vor Weihnachten bei einer anderen Familie verbringen. In den Häusern werden sie mit Blumenkränzen begrüßt und zum Hausaltar gebracht. Die Prozessionsteilnehmer bekommen eine Tasse Kaffee mit einem Stück Brot. Zum Abschied am nächsten Tag gibt die Familie eine Piñata mit. Diese so gesammelten Piñatas werden nach der Mitternachtsmesse am 24. Dezember von den Kindern mit Stockschlägen geknackt. Bunt, laut und wunderschön.


Auf den Philippinen feiert man Weihnachten in mehreren Akten. Nach der Mitternachtsmesse vom 24. auf den 25. Dezember versammelt sich die ganze Familie zu einem Festessen und leiten damit den Weihnachtstag ein, der für die Kinder da ist. Sie besuchen alle Verwandten, bekommen dort Geschenke und gute Ratschläge mit. Am 28. dürfen die Kleinen dann ungeschoren Streiche spielen. An unserem Neujahr findet das Weihnachten für junge Männer und Frauen statt, das eine große Party ist und in einem gigantischen Feuerwerk gipfelt. Beendet wird das Weihnachtsfest am ersten Sonntag des neuen Jahres mit dem ruhigen Weihnachten für alte Menschen.


Mitte November machen sich Sinterklaas und der Zwarte Piet mit dem Dampfschiff „Pakjesboot 12“ auf den Weg von Spanien in die Niederlande. Am letzten Samstag des Novembers legt er an und reitet auf einem Schimmel weiter. Die Kinder stellen pünktlich einen Holzschuh mit ihrem Wunschzettel, sowie eine Karotte und etwas Wasser für das Pferd vor den Kamin, um am nächsten Morgen Leckereien darin zu finden. Am 5. Dezember legen Familien leere Säcke vor die Tür, die Sinterklaas über Nacht mit Geschenken füllt.


Der Heiligabend in Spanien ist für Kinder eher langweilig. Nach alter Tradition feiert man hier mit einem festlichen Abendessen im Kreise der Familie mit anschließendem gemeinsamen Kirchenbesuch. Geschenke bringen erst die Heiligen Drei Könige am 6. Januar. Einen Weihnachtsbaum gibt es hier nicht, dafür prächtige Krippen.


Befana, die Dreikönigshexe ist in der Weihnachtsnacht zu spät losgefolgen, hat dadurch den wegweisenden Weihnachtsstern verpasst und sich deshalb verirrt. Deshalb kommt sie in Italien erst mit den Heiligen Drei Königen am 6. Januar an, bringt dafür aber Geschenke mit. Der Heiligabend wird daher, wie in Spanien, beschaulich mit Essen und Kirche im Kreise der Familie gefeiert.


In Japan ist Weihnachten kein offizieller Feiertag und auch die christliche Tradition oder Sonnwendfeier gibt es hier nicht. Das „Fest der Liebe“ wird hier wörtlich genommen und so ist es zu einer Art Valentinstag mit Lichterketten geworden, an dem gern romantische Verabredungen stattfinden. Für KFC ist der 24. Dezember dank geschicktem Marketing der umsatzstärkste Tag. Mal sehen, wie viel Umsatz unsere KFC schaffen.


Wenn der erste Stern aufgeht, beginnt in Polen das Weihnachtsessen. Dabei ist man sehr gastfreundlich und legt ein Gedeck mehr als benötigt auf, das für unerwarteten Besuch gedacht ist. An jedem Platz liegt eine mit Heiligenbild bedruckte Oblate, das vor dem Essen mit jedem Familienmitglied geteilt wird, als Zeichen für Frieden und Zusammenhalt. Das Weihnachtsessen besteht aus zwölf Gerichten, für die zwölf Apostel, und ist komplett vegetarisch, Fisch ausgenommen. Danach werden Geschenke ausgetauscht, weil nur wer gibt auch bekommt, und erst danach gehen alle zur Mitternachtsmesse, bei der viele mit vollem Bauch und vollem Herzen vermutlich einschlafen.


Am Ende ist es egal, wo und wie ihr feiert. Wir wünschen euch eine warme, ruhige und fröhliche Weihnachtszeit!

13. Dezember

Wenn draußen der Wind an den Fenstern rüttelt und der Dezember sich aufführt wie ein dementorengeküsster Montag, dann hilft nur ein Getränk, das offiziell aus Hogsmeade stammen könnte.

Und weil ich als überzeugter Potterhead genau weiß, wie sehr ein richtig gutes Butterbier die Laune hebt, verrate ich euch heute das sagenumwobene Rezept. Wärmend, süß, cremig und irgendwie magisch.

Zutaten:
  • 500ml Milch
  • 50ml Sahne
  • eine Vanilleschote
  • ½TL Zimt
  • ½TL Kakaopulver
  • ½ Päckchen Vanillezucker
  • 250ml Malzbier
  • Schlagsahne
Anleitung:
  • Milch, Sahne, Vanilleschote, Zimt, Kakaopulver und Vanillezucker in einem Topf verrühren und einmal aufkochen lassen.
  • Hitze reduzieren, das Malzbier zugeben und nochmal kurz erwärmen.
  • Heiß servieren und mit ordentlich Schlagsahne krönen.

Und falls ihr das Butterbier nachkocht, schreibt’s mir.
Ich komm vorbei, schnapp mir einen Becher und tu so, als wär ich kurz in Hogsmeade.