Die Rauhnächte – Gemeinsam durch die Zeit zwischen den Jahren

Die Zeit zwischen den Jahren ist eine besondere Zeit.
Heute besteht sie oft aus einer Mischung aus Familienbesuchen, gutem Essen, Herumliegen und diesem merkwürdigen Gefühl von Leerlauf.
Dazwischen kurze Aufregung, wenn einem einfällt, dass man noch kein Geschenk für Onkel Ralf hat oder plötzlich für eine Silvesterfeier zugesagt wurde.

Für unsere Ahnen war diese Zeit mehr als nur ein Übergang im Kalender.
Sie galt als Schwellenzeit. Als Phase zwischen dem Alten und dem Neuen, in der das Gewohnte stillsteht und sich der Blick weitet. Die Grenzen zur Anderswelt galten als dünn, das Unsichtbare als näher.

Ob man daran glaubt oder nicht, ist zweitrangig.

Die Rauhnächte laden dazu ein, den Blick vom Außen nach innen zu richten.
Zur Ruhe zu kommen. Wahrzunehmen. Loszulassen, was nicht mit ins neue Jahr soll.
Du musst nicht an Geister oder Zeichen glauben, um dir selbst zuzuhören.

Dieser Rauhnächtekalender ist eine Einladung zu einer zwölfnächtigen Reise durch das symbolische Jahr der Rauhnächte.
Mit Impulsen für Achtsamkeit, Naturverbundenheit und Gemeinschaft.
Ohne Druck. Ohne richtig oder falsch. In deinem Tempo.

Wenn du tiefer in die Hintergründe der Rauhnächte eintauchen möchtest, empfehle ich dir von Herzen das Buch „Rauhnächte – Die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren“ von Elfie Courtenay.*


* Hinweis: Manche Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein, landet ein kleiner Beitrag in der Pfauenhof-Kaffeekasse. Für dich bleibt alles gleich – für mich bedeutet es Unterstützung.
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, teil ihn gern weiter – und schau bei Entdecken & Genießen vorbei. Dort findest du weitere kleine Möglichkeiten, wie du uns unterstützen kannst.
Danke! 💚

6. Dezember

Heute wird traditionell Sankt Nikolaus von Myra gedacht – dem Bischof aus der heutigen Türkei, Schutzpatron von Kindern, Schüler:innen, Seeleuten, Fischer:innen, Reisenden, Kaufleuten und Prostituierten.

Diesen Feiertag kennen die meisten, und in jeder Familie wird er ein bisschen anders begannen.

Bei uns werden am Vorabend alle Schuhe geputzt und ordentlich aufgereiht. Am Morgens warten dann Mandarinen, Nüsse und Schokonikoläuse in den Stiefeln. Und dazu eine kleine, praktische Überraschung, versteckt im Schuhregal: ein Bademantel hier, ein Freundebuch da, Bastelmaterial für neue Schnippsel , damit der Staubsauger seine Daseinsberechtigung hat.

Und wie gesagt: Nikolaus ist nicht nur Schutzpatron der Kinder, sondern auch der Schüler:innen, Reisenden und Prostituierten. Und mal ehrlich: Jeder von uns trägt mal mehr, mal weniger von dem einen oder anderen in sich.

Deswegen gönn dir heute ohne schlechtes Gewissen genau das, was du brauchst: Ruhe. Gemeinschaft. Einen Spaziergang. Oder die heiße Schokolade mit Sahne und Marshmallows auf der Couch. Für die Kinder bringt der Nikolaus heute die Erlaubnis zu einem Film auf Netflix – und für dich die Zeit, die du dir sonst nie nimmst.

Foto von Lafynfyx

4. Dezember

Heute ist ein stiller, fast vergessener Tag im Advent. Einer, den viele nicht mehr auf dem Schirm haben, der für uns aber jedes Jahr eine kleine, liebevolle Tradition bedeutet:

Der Barbaratag.

In der Legende heißt es, als die heilige Barbara gefangen genommen wurde, brachen einige Zweige ab und blieben in ihrem Gewand hängen. Sie stellte sie in ein Wasserglas und die Zweige begannen zu blühen.

Jedes Jahr am 4. Dezember schneiden wir also Obstzweige mit Knospen und stellen sie in eine Vase mit Wasser. Am besten eignen sich dafür Kirsche und Apfel, aber wir hatten auch schon großen Erfolg mit Forsythien.

Wenn alles klappt werden diese nackten Zweige vom Barbaratag bis Weihnachten blühen. Ein schönes Zeichen für Leben, das Glück im nächsten Jahr verspricht.

So geht’s:

  1. Am 4. Dezember Zweige schneiden.
  2. Auf eine frische, leicht angeschrägte Schnittfläche achten.
  3. In eine Vase mit leicht gezuckertem Wasser stellen.
  4. Heller Platz, nicht zu warm.
  5. Alle paar Tage das Wasser wechseln.
  6. Zusehen, wie der Winter ein klein bisschen Frühling hervorbringt.

Alles Gute zum Namenstag, liebe Barbaras!